Reflections on Windowpanes in a Cartoon

Reflections on Windowpanes in a Cartoon, 2005–2015
Long version of the title: Reflections on Windowpanes in a Cartoon with Ourselves as Evolving Fictions
Ink marker on window panes
dimensions variable

shown in:
“Überzeichnen”, Kunsthaus Baselland, Muttenz, Switzerland (2015)
“Shining”, Galerie Axel Obiger, Berlin, Germany (2014)
“Das neue Fleisch”, after the butcher, Berlin, Germany (2013)
“Reflexe auf Fensterscheiben in Cartoons (…)”, artist’s studio, Zurich, Switzerland (2005)

Bibliography:
Basler Zeitung, Judith Opferkuch, “Liebeserklärung an das Zeichnen”, 18. September 2015, Basel, p. 21
Basellandschaftliche Zeitung, Christian Fluri, “Die lichte und dunkle Poesie des Strichs”, 17. September 2015, Basel, p. 36
“ÜBERZEICHNEN”, exhibition catalogue, Kunsthaus Baselland (Hrsg.), Edition Fink, Zürich, ISBN 978-3-03746-189-1, pp. 6, 49-50, 69-71
Artforum, Judith Hopf, “Best of 2013”, December 2013, New York, pp. 206-207
TAZ.de, Seyda Kurt, “Wann kommt die neue FleischCard?”, 19. September 2013


 

Ausschnitt aus ESTA MAÑANA von Clemens Krümmel
in: “ÜBERZEICHNEN”, Ausstellungskatalog, Kunsthaus Baselland (Hrsg.), Edition Fink, Zürich, ISBN 978-3-03746-189-1

„Reflections on Windowpanes in a Cartoon with Ourselves as Evolving Fictions“ (2005-2015), der Titel einer ebenfalls in der Basler Ausstellung zu sehenden Arbeit, ist in ähnlicher Weise gleichermaßen deskriptiv und konstruktiv. Er beschreibt, was man (vielleicht nicht auf den ersten Blick) sieht – das aus parallelen Strichen gebildete, in Comics und Karikaturen konventionalisierte Zeichen für spiegelnde oder halbtransparente Glasflächen, das hier auf realen Fensterscheiben angebracht wurde –, dann aber bezieht es sich auch auf eine andere Ebene, die emphatisch in den Raum der Betrachter_innen ausgreift und diese mit der vereinnahmenden Wortwahl des „uns“ („ourselves als evolving fictions“) einbezieht in ein utopischgesamtgesellschaftliches Experimentieren, bei dem die Identitäten der Einzelnen als sich entfaltende Entwürfe verstanden werden. Schon Robert Estermanns Verwendung des Worts „reflections“ eröffnet eine Unentscheidbarkeit zwischen Spiegelung und Reflexivität, die sich im konkreten Raum des Erlebens dieser zeichnerischen, aber auch skulpturalen und performativen Arbeit fortsetzt und bewahrheitet. Die Reflektionslinien auf den Fensterscheiben sind territoriale Markierungen, materiell gewordene Superzeichen, die nicht nur die unterschiedlichen Realitätsstufen von Innen und Außen eines Kunstraums erlebbar machen, denn sie zeigen mit judohafter Schlichtheit und Eleganz, wie einfach platzierte Striche dem Bewusstsein aus dem konkreten Erleben heraus Zugang zu anderen, neuen, zukünftigen Realitäten verschaffen.

 

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